VORGESCHICHTE

Am 1. November 1700 starb der spanische König Karl II. Sein gewaltiges Reich, das ungeteilt bleiben sollte, vermachte er dem Enkel Ludwigs XIV., Philipp von Anjou. Das wollte die antifranzösische Große Allianz unbedingt verhindern. Ludwig XIV. war nicht darauf aus, einen weiteren Krieg zu provozieren, doch zugleich konnte er nicht Zusehen, dass mit Erzherzog Karl ein österreichischer Habsburger König von Spanien werden sollte – Frankreich wäre dann von feindlichen Staaten umgeben. Ludwig handelte jedoch sehr ungeschickt. Im Februar 1701 ließ er die Spanischen Niederlande mitsamt einigen niederländisch kontrollierten Festungen besetzen. Damit verstieß er gegen mehrere internationale Abkommen und zog seinen gefährlichsten Feind, Wilhelm III. von Oranien, in einen Konflikt hinein, den beide nicht angestrebt hatten. Bereits im September 1701 hatte dieser die Große Allianz, bestehend aus Österreich, den Niederlanden und England, wiederbelebt.

CORPORAL JOHN“

Wilhelm von Oranien starb infolge eines Unfalls am 19. März 1702, Thronfolgerin wurde seine Schwägerin, Königin Anne (1665-1714). Das englisch-niederländische Bündnis sollte von Sir John Churchill, dem 1. Herzog von Marlborough, angeführt werden. Er bewies herausragenden Fähigkeiten als Feldherr, Politiker und Diplomat.

Corporal John“, so sein Spitzname bei seinen Truppen, hatte erkannt, dass die neuen Steinschlossgewehre zusam­men mit dem Ersatz der Pike durch das Tüllenbajonett den Infanterieeinheiten neue Offensivkraft verliehen. Auch die Kavallerie sollte in massierter Formation eingesetzt werden, in Form von Überraschungsangriffen mit gezogenen Schwertern. Nach dem Vorbild von Gustav II. Adolf vermied Marlborough überflüssige Manöver. Er suchte eine rasche Entscheidung durch die direkte Konfrontation, um den Feind mit einem mächtigen Schlag zu besiegen.

DER FELDZUG

Anfang 1704 war der seit drei Jahren ergebnislose Krieg in eine für die Alliierten überaus kritische Phase eingetreten. Eine große französisch-bayerische Armee bereitete sich für einen Marsch auf die kaiserliche Hauptstadt Wien vor. Kaiser Leopold I. sah sich gezwungen, Prinz Eugen von Savoyen, seinen brillantesten und erfahrensten Komman­deur, mit seinen Truppen aus Italien zurückzurufen. Dazu rief Österreich seine englisch-niederländischen Verbündeten zu Hilfe.

Marlborough wusste, dass die exponierten Niederlande und der Krieg verloren wären, falls der Feind die kaiserliche Armee schlagen und Wien einnehmen würde. Doch die niederländischen Generalstaaten forderten ihn auf, ihre Armee nicht von der niederländischen Grenze zu entfernen. Marlborough beschwichtigte sie, indem er vorgab, seine Armee nur bis zur Mosel verlagern zu wollen. 70000 Mann als Bewacher zurücklassend, marschierte Marlborough mit weiteren 70000 Mann und 48 Geschützen den Rhein entlang nach Süden. Ihm standen 60000 Franzosen in Straßburg und die ebenso starke französisch-bayerische Armee gegenüber. Um die Erfolgsaussichten der Alliierten tu wahren, mussten diese beiden Heere unbedingt getrennt bleiben. Daher bezog Prinz Eugen mit 30000 Mann Stellung in Baden, um Marschall Villeroi in Schach zu halten. Marlborough, der am 1. Juli Donauwörth erreicht hatte, kümmerte sich derweil um Marschall Marsin und Maximilian II. Emmanuel, Kurfürst von Bayern.

Marlborough musste diese strategisch bedeutende, befes­tigte Stadt ohne zeitaufwendige Belagerung einnehmen, wenn er die Donau unbeschadet überqueren und den tranzösisch-bayerischen Gegner besiegen wollte. Der bayeri­sche Kurfürst hatte 14000 Soldaten unter dem Kommando von Marschall von Arco entsandt, um außerhalb Donauwörths die Festung Schellenberg zu errichten und diese Furt gegen den vorrückenden Marlborough zu halten. Inzwischen durch Ludwig Wilhelm I., Markgraf von Baden, erstarkt, hatten die Alliierten am Mittag des 2. Juli unweit der Festung Stellung bezogen. Marlborough ließ Zelte aufstellen, um den Eindruck zu erwecken, man greife am chsten Tag an. Das Täuschungsmanöver funktionierte.

Um 17 Uhr eröffnete die Artillerie das Feuer auf Schellenberg Unterstützt von Kavallerie griffen um 18.15 Lhr 6000 britische Infanteristen in drei Kolonnen an und anremahmen drei zunächst erfolglose Vorstöße auf die retistigungen. Da von Arcos Garnison nun gefesselt war, erhielt der Markgraf von Baden Gelegenheit, um 19.30 Uhr mit einem zweiten Trupp die nordwestliche Seite der Festung anzugreifen. Alliierte und bayerische Truppen lieferten sich einen heftigen Nahkampf. Die Verteidiger verloren 10000 Mann und wurden von dem ungestümen Angriff überwältigt. Marlborough hatte 1400 Gefallene und 3800 Verwundete zu beklagen.

DIE SGHLAGHTORDUNG

Diese Verluste schienen hinnehmbar, denn nun war der Weg zur Donau über Nördlingen frei. Am 8. Juli überquerte Marlborough den Lech und begann mit einer rücksichts­losen, systematischen Verwüstung des Landes. Am 11. Au­gust forderte Marlborough Prinz Eugen auf, sich ihm anzuschließen, vor allem weil der erfahrene französische Marschall Camille de Tallard in Bayern das Kommando übernommen hatte.

Tallards französisch-bayerische Truppen bezogen am 12. August Stellung westlich des Weilers Blindheim. Ihr Lager befand sich auf einer sanften Anhöhe gut 1,5 km west­lich des sumpfigen Nebelbachs, der wie eine Art moderiger Graben zwischen ihnen und dem von Norden heran­rückenden Feind lag. Der Kurfürst hatte mit seinen Truppen um Lutzingen Stellung bezogen, Marsin in Oberglauheim und Tallard in Blindheim. Die linke, westliche Flanke erstreckte sich über eine Reihe bewaldeter Hügel, während sich die rechte, östliche Flanke an die Donau anlehnte.

Tallard und Gefährten fühlten sich in dieser festungsähnlichen Stellung recht sicher. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass Marlborough und Eugen so tollkühn sein würden, einen Angriff zu wagen, vor allem nicht bei zahlenmäßiger Unterlegenheit. Doch die feindlichen Befehlshaber und vor allem Marlborough waren rücksichts­los und verwegen. Und die Einnahme von Donauwörth hatte gezeigt, dass nicht einmal eine ausgebaute Festung es mit „Corporal John“ und seinen wilden „Redcoats“ aufnehmen konnte.

Im Morgengrauen des 12. August erkundete Marlborough persönlich die feindlichen Stellungen in und um Blindheim. Tags darauf um 2 Uhr früh zog die alliierte Armee in vier Kolonnen gen Westen, überquerte um 3 Uhr den Kesselbach und stand drei Stunden später auf der Anhöhe von Wolperstetten. Als sich der Morgennebel lichtete, mussten die französisch-bayerischen Truppen erkennen, wer ihnen in Steinwurfweite gegenüberstand. Alarmsignale ertönten und Soldaten, Reiter und Wagen stürzten in alle Richtungen davon, um ihre Gefechtsstellun­gen einzunehmen.

Die alliierten Befehlshaber konnten zufrieden feststellen, dass sie ihre Feinde überrumpelt hatten. Und der Herzog wie auch der Prinz waren aus jenem Holz geschnitzt, dass sie sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen ließen. Rund 56 00C britische, badische, kaiserliche und niederländische Soldaten standen 60 000 Franzosen und Bayern gegenüber.

DIE SCHLACHT

Die Schlacht konnte nun endlich beginnen, und zwar mit massivem Sperrfeuer der französischen Artillerie, das um 8.30 Uhr von den rund 90, nicht minder ohrenbetäubenden, englischen Geschützen beantwortet wurde. Im Schlummer erwischt, hatte Tallard keine Zeit für einen raffinierter. Schlachtplan. Die Franzosen und Bayern würden in der Defensive bleiben, doch würden beide Heere getrennt kämpfen: Marsin in der Mitte, der Kurfürst zur Linken und Tallard selbst rund um Blindheim bis zur Donau. Marsin und der Kurfürst sollten Stellungen bis direkt zum Ufer des Nebelbachs behaupten und Tallard knapp einen Kilometer weiter südlich. Tallard hoffte, dass Marlborough über den Nebelbach vorrücken, ins Kreuzfeuer aus Oberglauheim und Blindheim geraten und es ihm so gestatten würde, die Briten mit einer Konterattacke in das Sumpfland entlang des Nebelbachs zu treiben.

Marlborough hatte bemerkt, dass die rechte Flanke des Feindes stärker war als die linke. Er beschloss, diese stärkere Flanke anzugreifen. Marlborough ahnte Tallards Kriegslist und entsandte Eugen, um den Kurfürsten festzusetzen, während er selbst vorrückte, um die französischen Garnisonen in Blindheim und Oberglauheim zu neutralisieren. Während sich die britische und die französische Artillerie ein vierstündiges Duell lieferten, überquerte Lord Cutts’ Kolonne auf fünf Behelfsbrücken den Nebelbach und errichtete am südlichen Ufer einen Brückenkopf. Marlborough wartete indes ungeduldig auf die Nachricht, dass Eugen, der aber auf dem Weg nach Lutzingen unwegsames Terrain vorfand, die kurfürstlichen Bayern attackiert habe und festhielte, dann wollte er selbst angreifen.

Nachdem Eugens Adjutant schließlich mit der frohen Kunde eingetroffen war, befahl Marlborough seinen Generälen um 12.30 Uhr, ihre Stellungen zu beziehen. Eine Viertelstunde später attackierte General Rowe mit seiner britischen Brigade Blindheim, wo sich ohne taktischen Nutzen 12 000 französische Soldaten drängten. Zwei Angriffe, bei denen Rowe und ein Drittel seiner Männer fielen, wurden zurückgeschlagen, hatten jedoch ihren Zweck erfüllt. In der Mitte hatte Prinz Holstein-Beck Probleme beim Angriff auf Oberglauheim, bis Marlborough von Eugen österreichische Kavallerie erhielt, um die französische Reiterei unter schweren Verlusten zurückzuwerfen. Holstein-Beck drängte die Franzosen in die Ortschaft zurück und hielt sie dort bis zum Ende in Schach.

Bis 15 Uhr konnte man verhindern, dass der Kurfürst zu den Franzosen aufschloss und die Ortschaften Tallards Gegenangriff unterstützten. Eine Stunde später überschritt Marlborough mit seiner restlichen Armee den Nebelbach. Um 16.30 Uhr erhielt er die erfreuliche Nachricht, dass Eugen den Kurfürsten aus Lutzingen vertrieben hatte. Tallard hatte schließlich erkannt, dass Marlborough ihn überlistet hatte, so ließ er neun Bataillone anrücken, um die Stellung bei Oberglauheim zu halten. Die Bataillone leisteten erbitterten Widerstand, wurden aber bis zum letzten Mann niedergemacht, während die französische Kavallerie sich in die Donau und ihre sumpfigen Ufer flüchtete. Um 17.30 Uhr war die Schlacht vorbei: Tallard war den Briten in die Hände gefallen und von einer geordneten französisch-bayerischen Armee konnte nicht mehr die Rede sein. Zu ihrer Ehre sei angemerkt, dass die französischen Garnisonen in Blindheim und Oberglauheim bis 21 Uhr aushielten, dann jedoch ebenfalls des Gemetzels überdrüssig waren.

DIE FOLGEN

Es war weder ein leichter noch ein unblutiger Sieg. Mit 4500 Gefallenen und 7500 Verwundeten war ein Fünftel der alliierten Armee vernichtet. Höher fielen die Verluste bei den Franzosen und Bayern aus, die 15 000 Mann als Gefangene verloren und 13 600 Tote und Verwundete zu beklagen hatten.

Marlborough war 400 km tief in das Kernland des Feindes eingedrungen, ohne dass die Franzosen ihn hatten aufhalten konnten. Er hatte einen großen Siege in der europäischen Militärgeschichte errungen.

  • Kaiserliche Armee (Österreich + Reichsarmee), Großbritannien, Preußen, Niederlande | Frankreich, Bayern, Kurköln
  • 13. August 1704
  • Höchstädt an der Donau (Deutschland)
  • Sieg der aliierten Armee (Österreich, Großbritannien und Niederlande)
  • Österreich und Verbündete: ca. 13.000 Mann | Frankreich und Verbündete: ca. 34.000 Mann (davon 14.000 gefangen)
  • Aufmarsch
    Aufmarsch
    Aufmarsch
    Die beiden Parteien positionierten sich einander direkt gegenüber, getrennt durch den in einem Graben verlaufenden Nebelbach.
  • Die größten Schlachten der Menschheit vom Verlag Parragon


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