Nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. von Spanien zog der Enkel des französischen Königs Ludwig XIV., Philipp von Anjou als König von Spanien in Madrid ein. Daraufhin trafen beide Bündnisse, einerseits die Haager Allianz um Österreich und Großbritannien, andererseits Frankreich und Spanien Kriegsvorbereitungen. In der französisch-spanischen Planung spielte die Besetzung der zu Spanien gehörigen Herzogtümer Mailand und Mantua in Oberitalien eine wichtige Rolle, da diese einen Brückenkopf zur Bedrohung Österreichs von der südwestlichen Flanke her bilden, die Republik Venedig der französisch-spanischen Allianz zuwenden und zugleich die anderen spanischen Besitzungen in Italien (Neapel und Sizilien) decken konnten.

Um diesem durchaus erfolgversprechenden Plan zuvorzukommen, stieß der habsburgische Oberbefehlshaber Prinz Eugen von Savoyen mit einer – wegen des auszehrenden Türkenkrieges sich nur verzögert sammelnden – Streitmacht im Mai 1701 noch vor einer formellen Kriegserklärung an Frankreich nach Italien vor, mit dem Ziel, Mailand und Mantua sowie die Hauptstadt des mit Frankreich kollaborierende Savoyen, Turin, zu besetzen. In einer nach damaligen Maßstäben logistischen Meisterleistung brachte Prinz Eugen von Savoyen seine Truppen von ca. 32.000 Mann gegenüber der sich defensiv verhaltenden französisch-spanischen Armee (ca. 39.000 Mann) am Etsch in Stellung. Durch ein Ablenkungsmanöver war der Prinz in der Lage, einen Teil der Franzosen zu einem fruchtlosen Marsch nach Süden zu bewegen, weshalb bei Carpi nur noch etwa 1.500 Mann und weitere 9.000 Mann in der Umgebung der Stadt zurückblieben. Diesen standen ca. 17.100 Österreicher gegenüber.

In der Nacht des 8. Juli 1701 überschritten zwei österreichische Kolonnen von je ca. 5.500 Mann den Etsch, wobei sie unter stellenweise heftigem französischem Widerstand die Schanzen bei Castagnaro (ein Ort in der Nähe von Carpi) eroberten. Daraufhin wandten die Kaiserlichen gen Carpi, welches nur von einigen Kavallerieregimentern und den aus Castagnaro abgezogenen Infanteristen verteidigt wurde.

Die französischen Truppen wagten einen Gegenangriff auf die Österreicher, wobei der Maréchal de Tessé die linken Flanke der zahlenmäßig weit überlegenen Kaiserlichen durch einen persönlich geführten, massierten Kürassierangriff stark unter Druck zu setzen. Durch den numerischen Vorteil seiner Truppen konnte Prinz Eugen die französischen Regimenter schließlich umfassen, wegen eines präzise geführten französischen Kavallerieangriffes und der Erschöpfung der Österreicher nach dem Nachtmarsch war eine Verfolgung aber nicht möglich, und der Maréchal de Tessé entschied sich trotz mittlerweile eingetroffener Verstärkungen nicht zu einer Erneuerung des Kampfes um Carpi und befahl den Rückzug ins Lager bei Legnago.

Die Schlacht mag zwar im Vergleich mit den großen Schlachten des Spanischen Erbfolgekrieges recht bescheiden wirken, ihre Bedeutung ist aber nicht zu vernachlässigen. Denn mit ihr errang Prinz Eugen von Savoyen einen Brückenkopf jenseits des Etsch um gegen Mailand vorgehen zu können. Damit verhinderte er einen langen und verlustreichen Sitzkrieg an der französischen Verteidigungslinie entlang des Etsch und erlangte die zu Bedrohung aller spanischen Besitzungen in Italien nötige Bewegungsfreiheit und Initiative.

  • Österreich (Haager Allianz); Frankreich
  • Prinz Eugen von Savoyen; Maréchal de Tessé
  • 9. Juni 1701
  • Carpi an der Etsch (Provinz Verona)
  • Sieg der Österreicher
  • insgesamt etwa 450 Mann
  • Schlacht_bei_Carpi_1701[1]
    Schlacht_bei_Carpi_1701[1]
  • Chronica


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