Ungarn war im 16. Jahrhundert in einen österreichischen und einen osmanischen Teil getrennt. Die Osmanen versuchten jedoch, den „Goldenen Apfel“, also die Haupt- und Residenzstadt Wien, einzunehmen, da sie Wien als „Tor für das Herz von Europa“ sahen. Die erste Belagerung unter Großwesir Kara Mustapha scheiterte allerdings. Nachdem diese zu zerstörten Vorstädten und enormen Schäden geführt hatte, liefen die Wiener aufgrund der naheliegenden Grenze ständig Gefahr, einer zweiten Belagerung ausgesetzt zu werden. Dies führte zum Ausbau der Befestigungsanlage von Wien nach den Prinzipien der modernen italienischen Festungsbaukunst. Infolgedessen wurde die innere Stadt mit Bastionen (ein Festungsbauwerk), Kurtinen (ein gerader Wall zwischen zwei Bastionen) und einem Graben umgeben. Hieraus resultierend hatte Wien bereits im Jahre 1526 ausgebaute Befestigungen. Zudem wurde im 17. Jahrhundert die Festungsanlage mit Wallschildern, sogenannten Ravelins, umgeben.

Jedoch sahen sich die Wiener mit starken Einschränkungen bezüglich des Ausbaus der Stadt konfrontiert. Einerseits lag dies daran, dass die Häuser sehr viele Stockwerke besaßen, zum anderen war die Verbindung zu den Vorstädten aufgrund kleiner Stadttore eingeschränkt.

Im April 1683 brach ein osmanisches Heer, circa 120.000 Mann stark, erneut Richtung Wien auf. Am 1. Juli 1683 überschritten diese Truppen den Fluss Raab, der die Grenze zu Österreich bildet. 10 Tage später, am 11. Juli, erreichten sie Hainburg, eine Stadt in Niederösterreich, und veranstalteten dort ein Blutbad, bevor sie Wien erreichten und am 14. Juli komplett einschlossen.

Oberbefehlshaber in Wien war Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg. Mit ihm wurden 10 Infanterie- und ein Kürassier-Regiment (eine mit Brustpanzern ausgestattete Truppengattung der Kavallerie) in Wien eingeschlossen, zudem acht Kompanien der Bürgermiliz in Wien. Insgesamt bedeutete dies 13.015 Mann in Wien, zusammengesetzt aus 10.600 Mann Infanterie, 600 Mann Kürassiere und 1815 Mann Bürgermiliz.

Nachdem diese Truppen eingeschlossen worden sind, griffen die Osmanen permanent an, primär die Mauern in der Nähe der Burg. Die Vororte wurden niedergebrannt. Die Türken haben ihre Geschütze vor der Stadt positioniert und kämpften pausenlos, wobei auch ein Tunnelkampf stattfand. Durch Explosionen versuchten die Türken die Mauern zum Einstürzen zu bringen. Zudem sollte das Eindringen der Soldaten durch die Stollen ermöglicht werden.

Hilfe nahte jedoch. Kaiser Leopold hatte Wien mit circa 80.000 Bewohnern verlassen und sorgte für Hilfe, indem er die Bündnisse innerhalb des Reiches aktivierte und finanzielle Unterstützung von Papst Innozenz XI und von Venedig erbat. Die bestehenden Defensivbündnisse verpflichteten Bayern, gegen Frankreich und das Osmanische Reich zu kämpfen. Ebenso war Polen vertraglich verpflichtet, gegen die päpstlichen Subsidien 40.000 Mann gegen die Türken ins Feld zu führen. Nachdem der Papst zwischen Polen und Leopold vermittelt hat, wurde ein Heer unter dem Befehl des Papstes bereitgestellt. An dieser Stelle zog sich Leopold zurück, die Truppen wurden durch seinen Schwager Herzog Karl V. von Lothringen übernommen.

Im August/September 1683 formten sich die kaiserlichen Truppen unter Herzog Carl von Lothringen, dem Oberkommandierenden der kaiserlichen Truppen und Stellvertreter des Kaisers. Das Heer setzte sich zusammen aus Bayern, unter Kurfürst Max Emanuel von Bayern, Sachsen unter Kurfürst Johann Georg II von Sachsen und den südwestdeutschen Fürstentümern, Franken und Schwaben, unter dem Fürsten von Waldeck. Insgesamt kamen Wien 75.900 Mann mit 138 Geschützen zu Hilfe. Polen griff von Norden her an und kam Ende August 1683 in Oberhollabrunn bei Wien an, wo sie ein Lager errichteten.

Am 4. September wurde in Schloss Juliusburg in Stetteldorf am Wagram Kriegsrat gehalten, bei dem die Feldherren ihre weitere Vorgehensweise berieten.

Am 6. September überquerten die kaiserlichen Truppen die Donau bei Krems und marschierten von dort aus weiter nach Tulln. Einen Tag später stießen die polnischen Truppen von oben dazu, worauf die beiden Heere sich vereinigten und weiter Richtung Wien zogen. Hier griffen sie, nach einer über acht Wochen dauernden Schlacht und 60 tägiger Isolation Wiens, die türkischen Heere an, obwohl ihnen diese weit in der Zahl überlegen waren.

Dennoch war es den christlichen Truppen möglich zu siegen, da Kara Mustapha, der Heerführer der Osmanen, zwar über die Hilfstruppen informiert war, jedoch nichts gegen diese unternahm, um sich völlig auf die Belagerung Wiens zu konzentrieren. Letztendlich konnten die Osmanen dem Zwei-Fronten-Krieg also nicht Herr werden – ihre schwache Verteidigung wurde durchbrochen, worauf die Truppen flohen und bei Hainburg zusammentrafen, um zusammen den Rückzug nach Györ anzutreten.

Hierauf wurden die Türken Stück für Stück aus Ungarn zurückgedrängt. Österreich dahingegen wurde später zur europäischen Großmacht.

  • Osamnisches Reich ; Heiliges Römisches Reich (un Verbündete: Polen-Litauen, Kirchenstaat, Republik Venedig)
  • Großwesir Kara Mustafa Pascha ; In Wien Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg, Entsatzheer König Johann III. Sobieski und Herzog Karl V. von Lothringen
  • ca. 120.000 ; In Wien 16.200 - 30.00, Entsatzheer 60.000 - 70.000
  • 14. Juli - 12. September 1683
  • Wien (Österreich)
  • Erfolgreicher Entsatz der Belagerung
  • 30.000 - 50.000 ; 15.000
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